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Tor G. Gull, Geschäftsführer von Oikocredit International über die Jahresergebnisse 2010, Krisenerscheinungen in Indien und die neue UN Richtlinien


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Was die Medien über OIKOCREDIT berichten, finden Sie im Medienspiegel.

14-02-2011

Bei der Bekanntgabe der hervorragenden Ergebnisse von Oikocredit für das Jahr 2010 betont Geschäftsführer Tor G. Gull den Einsatz der Genossenschaft für eine gerechte, transparente und verantwortungsbewusste Finanzbranche.

Für die Mikrofinanzbranche wird 2010 wahrscheinlich als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Mikrofinanzierung durch die Andhra-Pradesh-Krise ins Kreuzfeuer der Medien geriet. Wie hat sich die Indien-Krise auf die Aktivitäten und Ergebnisse von Oikocredit ausgewirkt?

 

Sowohl die sozialen als auch die finanziellen Ergebnisse von Oikocredit fielen 2010 besser aus als erwartet. Den vorläufigen Zahlen nach belaufen sich die Neuanlagen auf 64 Millionen € - im Vergleich dazu waren es 2009 nur 55 Millionen. Die Nachfragen nach Finanzierungen haben sich erhöht und wir haben 205 Millionen € an bestehende und neue Projektpartner ausgezahlt - dies ist eine Steigerung von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum Jahresende belief sich unser Finanzierungsportfolio auf 481 Millionen € , im Vorjahr waren es 394 Millionen €.

 

Die Entwicklungen in Andhra Pradesh hatten deutliche Auswirkungen auf die indische Mikrofinanzbranche. Wir gehen davon aus, dass die in diesem Monat von der indischen Zentralbank vorgelegten Empfehlungen es der Branche ermöglichen, sich stärker auf den Kundenschutz zu konzentrieren. Das indische Oikocredit-Tochterunternehmen Maanaveeya Holdings arbeitet eng mit seinen Projektpartnern zusammen, um finanzielle Nachhaltigkeit und soziale Leistungsfähigkeit in ihrer Praxis sicherzustellen. Dazu gehört, dass Maanaveeya die Oikocredit Partner auf ihre soziale Wirksamkeit hin prüft, Schulungen und Workshops durchführt und Interessengruppen innerhalb der Branche zusammen bringt, um ihr Engagement für soziale Wirksamkeit zu stärken. Wir werden die Situation in Indien weiter aufmerksam beobachten, sind aber verhalten optimistisch. 

 

Im Jahr 2010 haben wir unsere Strategie für das soziale Wirkungsmanagement weiterentwickelt, um die sozialen Auswirkungen der Arbeit unserer Partner und unserer eigenen Arbeit besser messen zu können. Bei der Auswahl neuer Partner haben wir begonnen, ein neues Instrument zur Erfassung von sozialer Leistungsfähigkeit, Umweltverträglichkeit und verantwortungsvoller Unternehmensführung einzusetzen. Außerdem bemüht sich Oikocredit verstärkt, Probleme der Branche, u.a. die Überschuldung, anzugehen. In diesem Zusammenhang haben wir unsere Partner mit Sozialaudits und Ratings, Systeme zum Kundenmonitoring und Befragungen zur Kundenzufriedenheit vertraut gemacht. Außerdem unterstützt Oikocredit Mikrofinanzinstitutionen bei der Entwicklung von Management-Informationssystemen. 

 

Heute haben die Vereinten Nationen die Principles for Investors in Inclusive Finance (Richtlinien für Investoren in einer Entwicklungsfinanzierung, die auch arme Menschen erreicht, kurz PIIF) vorgestellt. Was sind das für Richtlinien und warum gehört Oikocredit zu den Unterzeichnern?

 

Die Principles for Investors in Inclusive Finance sind eine Initiative der niederländischen Prinzessin Máxima, Sonderberaterin des UNO-Generalsekretärs für Entwicklungsfinanzierung, und einer Kerngruppe von Investoren, zu der auch Oikocredit gehört. Die Richtlinien wurden zusammen mit den Principles for Responsible Investment (Richtlinien für verantwortliches Investment, UN-PRI) und in Absprache mit der CGAP (Beratungsgruppe zur Unterstützung von armen Menschen) entwickelt.

 

In den letzten zehn Jahren ist die Mikrofinanzbranche erheblich gewachsen. Das Angebot an Finanzdienstleistungen für arme Menschen hat sich vervielfacht, doch immer noch sind arme KundInnen durch die ungleiche Verteilung von Finanzwissen, Macht und Einfluss benachteiligt. Durch die Unterzeichnung dieser Richtlinien macht sich Oikocredit öffentlich stark für die faire Behandlung und den Schutz der EndkundInnen, zu denen einkommensschwache Haushalte und Besitzer von kleiner und mittlerer Unternehmen gehören

Dies ist eine wichtige öffentliche Initiative, doch das Thema ist für Oikocredit nicht neu. Schon seit 35 Jahren investieren wir in Finanzinstitutionen, die in verantwortlicher, transparenter und nachhaltiger Form Finanzdienstleistungen für benachteiligte Menschen anbieten.

Oikocredit ist stolz, zu den Unterzeichnern der PIIF zu gehören, denn wir möchten sicherstellen, dass gleichzeitig mit der Branche auch eine internationale Kultur wächst, in der die Einhaltung solcher ethischer Standards die Norm ist. Wir halten die PIIF-Richtlinien für einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

 

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Fakten und Zahlen

  • 508 Mio. € Kreditportfolio
  • 878 Partner gesamt
  • fast 70 Länder mit Partnern gesamt
  • über 26 Mio. erreichte Menschen durch die Mikrofinanzpartner

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