Können Mikrokredite das Problem globaler Armut lösen?
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13-10-2011
"Mikrokredite als Instrument der Armutsbekämpfung - eine Zwischenbilanz". Unter diesem Titel lud das Österreichische Forschungsinstitut für Internationale Entwicklung (ÖFSE) am 12. Oktober 2011 zu einer Diskussionsveranstaltung. Als Impulsreferenten wurden die international bekannten Experten Milford Bateman und Christa Wichterich gebeten, eine Einführung in die derzeitige entwicklungspolitische Diskussion über Mikrofinanz zu geben. Im Anschluss daran waren Andrea Kadensky (Dreikönigsaktion), Kristin Duchateâu (Österreichische Entwicklungsbank) und Günter Lenhart (Oikocredit Austria) aufgefordert, auf Basis ihrer praktischen Arbeit zu diversen Aspekten Stellung zu beziehen.
Sowohl Bateman, als auch Wichterich stellten Mikrokrediten kein gutes Zeugnis aus. Ersterer sprach sogar von einem „Instrument neoliberalen Imperialismus“ das von internationalen Institutionen wie der Weltbank, als auch von Regierungen und Großkonzernen gefördert würde, da Kredite im Vergleich zu Spenden den Vorteil hätten, dass das Geld wieder zurückgezahlt wird und sich damit ein großer Gewinn erwirtschaften ließe (Bateman's Kritik ist in seinem Buch „Why Microfinance doesn’t work. The destructive rise of local neoliberalism” ausführlich nachzulesen). Wichterich berichtete von ihrer Erfahrung in Indien, wo Mikrofinanz-Institutionen anscheinend traditionelle Frauengruppen ausnutzen, um ihnen gewinnbringend und mittels unangebrachter Praktiken Kredite aufzudrängen.
In Anschluss dieser sehr negativen Analysenversuchten Duchâteau und Lenhart zu überzeugen, dass Mikrofinanz nicht pauschal verurteilt werden dürfe. Sowohl bei der Österreichischen Entwicklungsbank, als auch bei Oikocredit steht nicht die Gewinnmaximierung, sondern die soziale Wirkung von Mikrofinanz im Vordergrund (Mikrofinanz umfasst neben Krediten auch andere Finanzdienstleistungen wie Sparkonten, Geldtransfers und Versicherungen). Da viele wirtschaftlich unterentwickelte Länder kein staatliches Sozialsystem aufweisen, können Mikrofinanz-Institutionen ein wertvolles Service bieten, um mit wenig Geld möglichst effizient haushalten zukönnen. Wichtig ist aber die gewissenhafte Auswahl und Überprüfung sozialmotivierter Partnerorganisationen, die internationale Standards wie Kundenschutzrichtlinien einhalten.
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