Die Kaffee-Genossenschaften
Der Bio-Kaffee besteht zu aus mildem und hochwertigem Hochland-Arabica. Er wird von Kleinbauern-Kooperativen aus Mexiko, El Salvador und Nicaragua angebaut. Alle drei sind Partner der Fairhandels-organisation El Puente und produzieren unter fairen Bedingungen. Die Kooperativen UCPCO (Nicaragua) und UCRAPROBEX (El Salvador) erhielten außerdem Finanzierungen von Oikocredit. Mit Hilfe der Darlehen konnten Sie Investitionen tätigen, um die Produktionsabläufe und damit auch die Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder zu verbessern.
UCPCO ist die Abkürzung für Unión de Cooperativas Multifuncionales Productoras de Café Orgánico (Vereinigung der Bio-Kaffee produzierenden Genossenschaften). Die 1993 gegründete Kleinbauernkooperative liegt abgelegen im Norden Nicaraguas in San Juan de Río Coco (Departement Madríz). Der dort geerntete Kaffee ist von herausragender Qualität.
UCPCO organisiert sich in sechs Basiskooperativen mit insgesamt 450 Mitgliedern. Davon sind 135 Frauen. Anders als in vielen anderen Kooperativen kommt es hier häufiger vor, dass nicht nur der Mann als Familienvorstand, sondern auch die Frau über einen eigenen Landtitel verfügt. Die Frauen von UCPCO haben 2007 eine Frauengruppe gegründet, um auf die unterschiedliche Situation der Frauen einzugehen.
Bis 1990 war die Region eines der am härtesten vom Terror der so genannten Contras betroffenen Gebiete. Sie legten mit ihren Überfällen die Landwirtschaft über Jahre hinweg lahm und konnten damit die Revolution der Sandinisten wirtschaftlich und moralisch schwächen. Nach dem Ende der Angriffe durch die Contras war allein die Reaktivierung der vernachlässigten Kaffeepflanzungen mit ihren zum Teil überalterten Bäumen ein gewaltiger Kraftakt.
Der öffentliche Gesundheits- und Bildungssektor ist in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt worden. Daher wird der durch den Fairen Handel erzielte Mehrpreis unter anderem für den Schulbesuch der Kinder und in einigen Fällen für Stipendien für den Besuch einer Universität verwendet. Zwei Prozent ihrer Einnahmen stellen alle Mitglieder ihrer jeweiligen Basiskooperative zur Verfügung, die davon einen Fonds für soziale Härtefälle unterhält.
2008 erhielt UCPCO von Oikocredit ein Darlehen über 100.000 Euro, um die Produktion und Verarbeitung des Fair Trade zertifizierten, hochwertigen Bio-Kaffees weiter zu verbessern. Das Geld investiert die Kooperative unter anderem in die Erweiterung des Vorratsspeichers und der Trocknungsanlagen sowie Weiterbildungsmaßnahmen für die Kooperativenmitglieder.
UCRAPROBEX (Unión de Cooperativas de la Reforma Agraria Productoras Beneficiadoras y Exportadoras) ist ein nationaler Dachverband, unter dem sich 61 Kaffee Kooperativen zusammengeschlossen haben. Die regionale Genossenschaft mit insgesamt 12.000 Mitgliedern ist in der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung vor allem von Kaffee, aber auch von Sesamsaat und Cashewnüssen aktiv. UCRAPROBEX erhielt ein Darlehen von Oikocredit über USD 425,000. Der Kaffee im Credit Café stammt aus den UCRAPROBEX - Mitgliedskooperativen El Espino und Santa Adelaida.
Santa Adelaida hat 250 Mitglieder, davon 70 Frauen. Die Kooperative liegt ungefähr 35 km von der Hauptstadt San Salvador entfernt im Departement La Libertad, in der besten Kaffeeregion des Landes auf einer Höhe von 1250 Metern. Seit 1992 baut die Kooperative Bio-Kaffee an.
Die Mehreinnahmen aus dem fairen Handel helfen den Kindern der Kooperativenmitglieder bei der Schulbildung: Wer über die Grundschulbildung hinaus lernen oder gar studieren möchte, muss in die nächste Stadt reisen. Santa Adelaida übernimmt dafür, wo nötig, die Transportkosten. Den Schulkindern wird außerdem ein Frühstück und Schulmaterialien zur Verfügung gestellt. Außerdem kümmert sich die Kooperative um die Versorgung ihrer "RentnerInnen". Diese erhalten eine kleine Rente für Lebensmittel und sie haben Zugang zur medizinischen Grundversorgung.
Die Kaffeekooperative El Espino liegt am Fuße des Vulkans San Salvador in der Nähe der gleichnamigen Hauptstadt El Salvadors. Gegenwärtig hat die Kooperative 128 Mitglieder. Von den Einnahmen aus dem Verkauf des Kaffees werden Bildungs- und Gesundheitsprogramme finanziert: so kommt beispielsweise täglich eine Ärztin, die die Familien gesundheitlich versorgt.
El Espino baut auf 800 bis 1.500 Metern Höhe unter Schattenbäumen ausschließlich bio-zertifizierten Kaffee der Arábica-Sorten Bourbon und Pacamara an und fühlt sich auch sonst dem Naturschutz verbunden: die Kooperative hat einen Naturpark - den Ecoparque El Espino - eingerichtet, der auch als Naherholungsgebiet für die nahe gelegene Hauptstadt dient.
Die Kooperative betreibt eine eigene Rösterei und verkauft ihren Kaffee auch an den salvadorianischen Einzelhandel. Honig und Gemüse werden ebenfalls zum Weiterverkauf hergestellt. Die Qualitätssicherung spielt eine große Rolle: Die Kooperative hat eine eigene Baumschule. Mit den dort gezogenen Jungpflanzen aus eigenen Beständen können überalterte Kaffeebäume mit biologisch einwandfreiem Pflanzmaterial ersetzt werden.
Die Kooperative Paluch'en liegt in der Region Guaquitepec im mexikanischen Bundesstaat Chiapas. Der Kaffee der Sorten Arabica und Mondonuevo wird auf 800 bis 1.400 Metern Höhe angebaut. Die rund 180 Mitglieder der Kooperative leben über neun Dorfgemeinschaften verstreut.
Die Mitglieder Paluch'ens gehören der ethnischen Gruppe der Tseltal an. Der Anbau des Fair Trade zertifizierten Kaffees ist die Haupteinnahmequelle der Familien. Auf den kleinen Anbauflächen von etwa zwei Hektar werden neben Kaffee auch Mais, Bohnen und Gemüse für den Eigenbedarf kultiviert.
Die Einnahmen der Kooperative werden in die Gesundheitsvorsorge der Mitgliedsfamilien, in den Ausbau der Infrastruktur der Kooperative sowie in Weiterbildungsmaßnahmen für Kaffeebäuerinnen und -bauern und in die Schulbildung der Kinder investiert. Paluch'en hat eine eigene, selbst verwaltete Schule mit angegliedertem Internat aufgebaut, um den Kindern so im schulischen Leben wieder die Werte ihrer Kultur näher zu bringen. Die Schule verbindet Lernen mit Praxis: Neben dem theoretischen Unterricht betreuen die Schülerinnen und Schüler eigene kleine Projekte und lernen so die Grundlagen nachhaltiger Produktionsweisen und des traditionellen Handwerks kennen.
Die mangelnde Infrastruktur in der Region, die ständige Präsenz des Militärs in der seit dem Aufstand der Zapatistas angespannten politischen Lage und die Gegebenheit, dass die überwiegende Mehrheit der Kooperativenmitglieder ausschließlich Tseltal spricht, erschweren die Kommunikation nach außen. Umso bemerkenswerter ist es, dass Paluch'en in überregionalen Projekten wie der Vereinigung zentralamerikanischer KleinproduzentInnen aktiv ist.
Die Hintergrundinformationen über die Kaffee-Genossenschaften können Sie auch hier herunterladen.
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