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Mikrofinanz: Kleine Kredite - große Diskussionen

04-10-2011

Bericht Veranstaltungen 26.+27. September in Freiburg und Stuttgart: Mikrofinanz in Indien: Fluch oder Segen? Experten aus Indien im Gespräch

„Mir war es wichtig, meine Fachkompetenz für eine gute Sache einzusetzen“, so erklärte uns Lovely Mukherjee ihren Wechsel zur indischen Oikocredit-Tochter „Maanaveeya“ vor drei Jahren. Die ehemalige Unternehmensberaterin arbeitet als Regionalmanagerin für die Region Nord/Ostindien und ist für die Auswahl und Betreuung der Partner zuständig, ein essentieller Bestandteil für die Sicherstellung des sozialen Auftrages von Oikocredit. Ende September bereiste Frau Mukherjee in Begleitung von Mohammad Amin, Geschäftsführer des Oikocredit Projektpartners ADHIKAR, Süddeutschland und sie machten dabei in Freiburg und Stuttgart für zwei Vortragsabende Halt.

Anlass für den Besuch waren die Negativschlagzeilen zu Mikrokrediten in der indischen Region Andhra Pradesh, über die Ende 2010 in den Medien berichtet wurde und die Fragen bei unseren Anlegern hervorgerufen hatte. Es war dem Förderkreis deshalb ein Anliegen, zu diesem Thema Experten zu Wort kommen zu lassen und unseren Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen direkt an die indischen Fachvertreter zu stellen. Das Angebot stieß auf reges Interesse und der Vortragsabend war sowohl im Haus der Evangelischen Erwachsenenbildung in Freiburg als auch bei dem Oikocredit-Partner, der GLS Bank, in Stuttgart voll besetzt.

In ihren Ausführungen machten die beiden Referenten nochmals deutlich, dass das Mikrofinanzgeschäft nicht mit dem klassischen Kreditgeschäft der Banken vergleichbar ist. Während das normale Kreditgeschäft nach Schema „F“ abgewickelt wird, fußt Mikrofinanz auf Vertrauen, sorgfältiger Auswahl und Betreuung der Kreditnehmer. „In unserer Branche kommt die Bank zum Kunden“, erklärte Herr Amin. „Die Mitarbeiter von Adhikar sind bei einer Kreditlaufzeit von einem Jahr 52-mal beim Kreditnehmer. Das ist extrem personal- und verwaltungsintensiv. Und das bei Krediten, die oft nicht einmal 100 Euro betragen.“ Das leuchtete auch dem Vortragspublikum ein, das verschiedene Nachfragen zu den vergleichsweise hohen Zinssätzen in der Mikrofinanzbranche gestellt hatte.

Doch wie kam es zur Krise im indischen Staat Andhra Pradesh? Aufgrund der hohen Rückzahlungsquote von 98% und politischer Weichenstellung war Mikrofinanz ein lukratives Geschäft, das auch fragwürdige Anbieter ohne soziale Ambitionen auf den Plan rief. „Wir haben eine gerichtliche Untersuchung gefordert, aber bis heute konnte nicht festgestellt werden, ob die berichteten Selbstmorde tatsächlich durch Überschuldung und unlautere Eintreibungspraktiken verursacht wurden, oder ob andere Gründe wie Dürren, Missernten, Krankheiten oder Unglückfälle dafür verantwortlich waren“, erläuterte die Oikocredit Regionalmanagerin Lovely Mukherjee. Nichtdestotrotz begrüßten die beiden Referenten einhellig den derzeitigen Gesetzesentwurf der indischen Regierung, die eine Regulierung des Mikrofinanzgeschäfts z.B. durch Obergrenzen bei Zinsen oder Einrichtung eines Kreditbüros, ähnlich der deutschen „Schufa“ vorsieht, die einem besseren Kundenschutz dienen sollen.

Für Oikocredit ist dieser Anspruch nicht neu und das wissen die Partner auch schon lange zu schätzen. Herr Amin betonte nochmals, wie dankbar er für die Zusammenarbeit mit Oikocredit sei. Neben Krediten wären vor allem auch die Schulungen und moralische Unterstützung in schwierigen Situationen von großer Bedeutung. Zum Schluss der Veranstaltung in Freiburg galt sein besonderer Dank den anwesenden Oikocredit-Anlegern, mit deren Hilfe er auch weiterhin seine Vision von gerechteren Lebensumständen in Indien ein Stückchen näher kommen könne.

Zu Adhikar: www.adhikarindia.org

Hier finden Sie die Präsentationen (in englischer Sprache) zum Nachlesen:

Lovely Mukherjee: Oikocredit in India (623 KB) - download

Mohammad Amin: Oikocredit-Partner MFI Adhikar (1,86 MB) - download

 

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