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Kaffeepreise: Chancen und Gefahren für die Branche


03-10-2011

Im April erreichte der Preis für Arabica-Kaffee den höchsten Stand seit 34 Jahren. Eine Kombination von geringer Produktivität in Kenia, Brasilien und Kolumbien und wachsender Nachfrage in China und Brasilien führte zu einem dramatischen Unterangebot. Anleger investierten zunehmend in Rohstoffe statt Aktien, was zusammen mit dem schwachen Dollar den Preisanstieg beflügelte. Was bedeutet das für die Akteure in der Fairhandels-Kaffeekette?


Chajul in Guatemala ist eine der von Oikocredit unterstützten Kaffeegenossenschaften.

 

Für die gesamte Branche, von den BäuerInnen bis zu den Importeuren, bringt die aktuelle Marktlage Nutzen aber auch Herausforderungen. Oikocredit arbeitet mit 288 Genossenschaften und Verbänden zusammen, von denen viele in der Kaffeeproduktion aktiv sind. Auch wenn der Kaffeepreis seit dem Höchststand im April wieder gesunken ist, wird er voraussichtlich in den nächsten zwei Jahren hoch bleiben. Deshalb sei es dringend notwendig die Produktion zu steigern, erklärt der stellvertretende Direktor von Oikocredit in Mittelamerika, Eduard Walkers.

„Hohe Kaffeepreise sind zweifellos ein Anreiz, die Plantagen produktiver zu gestalten, um den Ertrag zu maximieren und den Verdienst der Bauernfamilien zu erhöhen", so Eduard Walkers, der von Costa Rica aus viele Kaffeegenossenschaften betreut. "Die BäuerInnen können zwar von den höheren Preisen profitieren, müssen aber auch mit den Ertragseinbußen durch den Klimawandel, steigenden Produktionskosten und der dringenden Nachfrage nach Arbeitskapital fertig werden.“

Oikocredit-Länderbeauftragte Carina Torres in Peru sieht in den Preisen auch die Gefahr einer Destabilisierung der Kaffeegenossenschaften.

„Es kann vorkommen, dass BäuerInnen ihren Kaffee an Dritte verkaufen, statt an die Genossenschaft. Private Wettbewerber überreden die KleinbäuerInnen, ihre Ware zu einem kurzfristig höheren Preis an sie zu verkaufen. Allerdings erhalten die BäuerInnen von diesen privaten Käufern keine sonstigen Leistungen oder Unterstützung." Für Genossenschaften ist es enorm wichtig, gute Beziehungen zu den Mitgliedern zu unterhalten, damit diese ihre Kaffeeernte auch tatsächlich an die Genossenschaft liefern.

Die Fairtrade Labelling Organization hat den Mindestpreis für Arabica-Kaffee im Fairen Handel entsprechend dem gestiegenen Marktpreis erhöht. Auch andere Akteure im Fairen Handel bekommen die Auswirkungen des Preisanstiegs zu spüren. Fairhandels-Importeuren fehlt es zum Beispiel oft an ausreichendem Arbeitskapital, um die ProduzentInnen vor der Ernte zu bezahlen oder ihnen soviel Kaffee abzunehmen, wie diese verkaufen möchten.

Für Oikocredit sind langfristige, enge Beziehungen und finanzielle Unterstützung für Partner in der Kaffeebranche – von Produktionsgenossenschaften bis zu Fairhandels-Importeuren – unverzichtbar, um die Stabilität aller Stufen der Lieferkette zu sichern. „Beratung, technische Unterstützung und praxisnahe Schulungen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle, besonders in Bezug auf Aspekte wie Risikomanagement und gute Unternehmensführung“, erklärt Eduard Walkers.

 

 

 

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