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Haiti: Katastrophenschutz für Mikrofinanzkunden


24-01-2012

Seit dem verheerenden Erdbeben in Haiti sind nun zwei Jahre vergangen. 316.000 Menschen starben, mindestens eine Million konnte nicht in ihre Häuser zurückkehren. Die Hauptstadt Port-au-Prince wurde fast gänzlich zerstört. 80 Prozent der Menschen in Haiti leben von weniger als zwei Dollar pro Tag, das heißt unterhalb der Armutsgrenze.

Der Oikocredit-Partner Fonkoze ist die einzige Mikrofinanzinstitution in Haiti, die sich auf ländliche KundInnen konzentriert und ihnen den Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglicht. Dazu zählen aber nicht nur Kredite, sondern auch Sparprodukte sowie Beratung und Begleitung. Heute hat die Organisation 55.000 KundInnen, die Mikrokredite aufgenommen haben.

Während des letzten Jahrzehnts wurde Haiti mehrere Male von Naturkatastrophen heimgesucht, wozu auch starke Fluten und Hurrikane zählten. Anne Hastings, Geschäftsführerin von Fonkoze, sah deshalb einen Bedarf ihrer Kundinnen an Mikroversicherungen. Diese sollen dafür sorgen, dass Kundinnen keine von Naturkatastrophen bedingten Rückschläge auf ihrem Weg aus der Armut erleben.

„Wir konnten unseren KreditnehmerInnen nach verschiedenen Naturkatastrophen beim Wiederaufbau nicht helfen und wir suchten einen Weg um sie zu schützen“, sagte Hastings in einem Interview mit Oikocredit. Fonkoze begann deshalb nach der schweren Hurrikansaison 2008 mit einem örtlichen Versicherungsunternehmen an der Entwicklung einer Mikroversicherung zu arbeiten. Zwei Jahre später war das Programm bereit für die Einführung. „Wir wollten das Produkt ab Januar 2010 anbieten, doch dann kam das Erdbeben.“ Fünf Mitarbeiter von Fonkoze kamen dabei ums Leben, 145 verloren ihre Häuse rund wohnen noch heute in Zelten. Auch viele der KundInnen waren vom Erdbeben betroffen.

Fonkoze beschloss kurzerhand, so zu tun, als hätten die betroffenen KundInnen bereits eine Mikroversicherung abgeschlossen. Mithilfe von Spendengeldern konnte sie einen Versicherungsschutz simulieren und Versicherungsprämien an ihre KundInnen auszahlen. „Als unsere Kundinnen später neue Kredite bekamen, zahlten sie eine Gebühr von zwei Prozent als rückwirkend gültige Versicherungsprämie“, so Anne Hastings. Fast 18.500 Menschen haben von Fonkoze nach dem Erdbeben Unterstützung erhalten, um ihr Leben wieder aufzubauen.

Als sich die örtliche Versicherung zurückzog, bekam Fonkoze das Angebot eine Versicherung gegen Naturkatastrophen mit Swiss Re zu entwickeln. Diese Versicherung ist nun verpflichtend für alle Fonkoze KundInnen, die dafür eine Gebühr von 3% zahlen.

„Zunächst beschwerten sich einige Kundinnen und meinten, dass sie im südlichen Teil des Landes keine solche Versicherung bräuchten,“ berichtete Anne Hastings. „Im Juli suchten allerdings schlimme Regenschauer den Süden heim und in weniger als zwei Wochen wurde über eine Million Dollar an Versicherungsprämien für betroffene KundInnen ausgezahlt.“

Fonkoze hat heute 46 Zweigstellen in Haiti mit 250.000 SparerInnen und mehr als 55.000 MikrokreditnehmerInnen. Zehn dieser Zweigstellen wurden nach dem Erdbeben wieder aufgebaut. Die MitarbeiterInnen von Fonkoze engagieren sich trotz der Rückschläge durch das Erdbeben von 2010 unermüdlich für Ihre KundInnen, um sie bei einer langfristigen Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse zu unterstützen.

Weitere Informationen unter: www.fonkoze.org

 

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